Herrn Buffey’s Wallfahrt nach dem heiligen Rocke (1845)

von Adolf Glaßbrenner (1810-1876 Pseudonym “Brennglas”)

Ein Wirthshaus in Berlin

Polizeischreiber Preiße (sitzt hinter einem hohen Glase Weißbier und lies’t die Zeitung): Nanu wird’s Dag! Die Wallfahrten nach den heiljen Rock nehmen immermehr überhand. Dausende  ziehen hin, um den heiligen Rock zu sehen un lassen sich…
Lebrecht Knubberbacke: …ausziehen.
Polizeischreiber Preiße (fortfahrend): …von den Bischof vor Jeld von allen Übeln kuriren und von allen Sünden freisprechen.
Frischer: Und da sagen Sie: nanu wird’s Tag? Nun wird’s Nacht! müßten Sie sagen.
Herr Buffey: Sie entschuldjen, deß ich mir reinmische. Was is’n des vor’n Rock?
Polizeischreiber Preiße: Sie sagen: Christussen seiner, den ihm seine Mutter, die Jungfrau Maria, aus Lammwolle jewebt hat, wie er noch Kind war, un der mit ihm jewachsen is.
Herr Buffey: Was? I, Sie spaßen jehorsamst! Der Rock ooch jewachsen? Na, denn muß et wirklich en heiljer sind, denn meinen Willem hab’ ich nu schon den siebenten Rock machen lassen müssen, weil er alle an de Schultern auswachst. Un der Junge nimmt doch noch tagtäglich an Alter zu!
Polizeischreiber Preiße: Die Nichte von den rühmlichst bekannten Erzbischof Droste von Vischering hat nich jehen können, hat nach den Dom von Trier müssen hinjedragen werden, un kaum is se da, un hat den heilijen Rock an den Zippel berührt, hastenichjesehen! jeht se lustig ‘rum, als ob se in ihren janzen Leben keene krumme Beene jehabt hätte.
Herr Buffey (verwundert): Kaum zu jlooben!
Frischer: Kaum! Man muß es sehen, um zu glauben!
Herr Buffey (zu Preiße): Sie entschuldjen, Herr Preiße, Herr Polizeischreiber: hat se an Hühneroogen jelitten, wie mein Freund Proppen?
Lebrecht Knubberbacke: Ne, Hühneroogen waren es nich,obschon die in ihrer Umjcbung sehr beliebt sind, weil man mit diese Oogen nischt sieht. Sie litt am Kopp, un dieses Übel hatte sich ihr mit Hilfe des Reimmatismus uf de Beene jeworfen, so deß se durchaus nich vorwärts kommen konnte, was in unsern lieben Vaterlande keine janz eijenthümliche Krankheitserscheinung is. Nu hatte ihr ihr Onkel zwar Etwas unter den Fuß jejeben, aber deshalb konnte se erscht recht nich jehen, bis se den heiljen Rock berührt hatte, da jing es!
Herr Buffey: Ich kenne zu wenig Chemmie, Viehsiek nennt man Des, um zu wissen, ob die Lammwolle den Reimatisch nach sich zieht, aber zieht se den Reimatisch nach sich, so hätte müssen en Andrer von die Nichte lahme Beene jekrigt haben, durch Berührung!
Lebrecht Knubberbacke: Ne,Herr Buffey, vondes Heilje, scheint mir, verstehen Sie nischt, weil Sie Allens zu sehr als Materialist auffassen.
Herr Buffey (etwas hitzig): Wie sagen Sie? Materialist? Ich? Sie entschuldjen: ich bin Rentier! Ich habe Intressen, weil ich früher eine kleine Tabagie und ein noble jeu du Billardt hatte, und hinten ein Jartenverjnügen, wodurch ich mir mit der Zeit ein Capptal jemacht, welches mir so viel drägt, wie ich anständig brauche, un welches sicher steht, weil ich mir uf keene jefährlichen Jeschichten wie Eisenbahnen un Runkelrüben un derjleichen einlasse, weil ich nich speculire, nennt man des!
Lebrecht Knubberbacke. Eben weil Sie nich speculiren, sind Sie Materialist un fassen des zum Beispiel mit den katholschen Reimmatismus janz falsch auf. Sehen Se mal, so ‘ne heilje Relieke nimmt alle Übel der Welt uf un behält se für sich, ohne was wieder abzujeben.
Frischer. So wie die Mönche alle Sünden der Welt durch die Ohrenbeichte in sich aufnehmen, ohne jemals selbst zu sündigen, (ruft.) Kellner, einen Bittern!
Polizeischreiber Preiße: Mir noch’ne Weiße!
Frischer: Übrigens, so die Herren nach vier Wochen wieder hier versammelt sein wollen, will ich ihnen meine erlebten Wunder beim heiligen Rocke mittheilen. Freitag reise ich nach dem Rhein und besuche auch Trier an der Mosel.
Herr Buffey: Leiden Sie ooch an de Beene? Frischer. Nein, auch nicht am Kopf, aber ich reise doch hin. Ich habe neulich von einem Minister geträumt, er sei ein Gens-d’arme,und will nun sehen, ob ich diese Sünde loswerden kann.
Brauer Pansch (der bisher still aber aufmerksam zuhörte): Da können wir vielleicht zusammen reisen, denn meine Hyacinthe will ooch hin.
Herr Buffey (verwundert): Ihre Hyacinthe? Die riecht woll nich?
Brauer Pansch: Meine Frau will ooch nach Trier.
Herr Buffey: Ach so! Worummen?
Brauer Pansch (verschämt lächelnd): I nu … se hat sonne Idee, sie… jenug, sie will hin. Sie hat schon mehrere Bäder mit meinen Cousin, einen Medizindoctor besucht, aber … he, he, he! Sehen Se mal, wir haben keene Kinder, un da macht sich des Reisen leichter als wenn wir welche hätten, (zu Frischer). Wenn Sie Freitag bestimmt nach den Rhein abreisen, denn will ich mir bis dahin einzurichten suchen, weil meine Frau mit mir erst Dienstag abfahren wollte.
Herr Buffey: Hören Se mal…
Commis Peschke (eintretend): Ju’n Abend, ju’n Abend, meine Herren und Damen, Letztere abwesend! Was hört mein erstauntes Ohr? (Zum Kellner): Eine Blonde aus der Kruke! (Zu den Gästen): Sie ollen nach dem alten Vater Rhein, den sie nicht haben sollen, ob sie wie gierje Raben? I is es die blitzblaue Möglichkeit! Dahin, dahin zieht mich mein Beruf! Dahin, dahin möcht’ ich mit Dir, mein dicker Brauer ziehen! wie meine Cousine Mignon5 sagte, als se noch bei Jöthens diente. Ich reise nämlich für mein Haus, weil mein Haus zu groß is, um selbst zu reisen.
Herr Buffey: Na des wird hübsch. (Aufstehend, mit Pathos). Ich will ooch hin, meine Herren! Ooch nach Trier!!
Commis Peschke. Bitte, setzen Se sich!
Herr Buffey: Danke verbindlichst! (Er setzt sich). Na was sagen Sie dazu? Wir Alle zusammen, des kann unterhaltend werden, interessant Meinen Willem nehm’ ich nämlich ooch mit, der stört uns nich, wenn wir unter uns sind, weil der dumme Junge jar nich des Maul ufdhut, wenn er nich von mir in der Erziehung strenge jefragt wird. Ich will mal sehen, ob ihn vielleicht ‘ne weite Reise en Bischen Jrips beibringt, denn von die Fahrt nach Leipzig, welche ich neulich mit de Eisenbahn auf ihm machte — wollt’ ick sagen: auf ihm mit de Eisenbahn . . . (heftig) auf de Eisenbahn mit ihm machte, da hat er noch nich Viel wechjekriegt, obschon er im Hotel de Pologne an eenen Disch mit de Literatur jesessen hat. Er hat die janze Table d’hôte über nischt als jejessen, un sich jar nich um de Literatur jekümmert, so viel ick ihm ooch in de Rippen jestoßen habe.
Frischer: Ein ächter Deutscher! Lassen Sie ihn doch bei unseren Zeitungen anstellen! Die bekümmern sich auch um jede Degenscheide von Militair, um jeden Fidelbogen von Virtuosen, um jeden Schornsteinbrand und um jedes Butter-Kellertreppen-Hinuntergefalle, aber von der Literatur, der größten Macht unserer Zeit, ziehen sie sich so ängstlich zurück, als ob sie bisse! Und wenn sie gar einmal davon reden, so wählen sie die unpopulärsten, einflußlosesten Dinge, besprechen Werke über egyptische Ruinen, über ausgegrabene Scherben, über classische Nachttöpfe und allenfalls über antike Tragödien wie Antigone, Gräfin Hahn-Hahn, Medea, der gestiefelte Kater und pietistische Ergießungen. O es ist eine moderne Tragödie, das Aufführen der antiken! Ich will eine ganze Woche lang von trocknem Brode leben, aber vor faulem Fleische hab’ ich einen rein menschlichen Widerwillen.
Commis Peschke (hat die Speisekarte in der Hand): Lassen Se sich doch Karbonade geben.
Frischer (ihn von der Seite betrachtend): Das ist allerdings sehr trocknes Brod, aber doch immer noch besser als das faule Fleisch und das Leder eines gestiefelten Katers.
Herr Buffey (zu Frischer): Sie sprechen sehr jelehrt aber… Ich habe Ihnen verstanden. Ich freue mir darauf, wie wir uns unterwejens von Dieses und Jenes unterhalten werden, denn ich bin ein Liebhaber von Ansichten, un eben darum is es mir lieb … (macht eine sehr ernste Pause) … wenn ich … mir über Dieses oder Jenes aussprechen kann, mittheilen!
Commis Peschke: Über dieses kann ich allenfalls ooch ein Wort mitreden, aber über Jenes weiß ich nicht so recht Bescheid.
Lebrecht Knubberbacke: Na fahren Sie denn nu Alle zusammen, meine Herrschaften?
Commis Peschke: Ja, vor Schreck!
Lebrecht Knubberbacke: Wenn Sie ooch mit zusammen fahren, denn wär’ des möglich. Aber Sie reiten ja.
Commis Peschke: Ich, reiten?
Lebrecht Knubberbacke: Na ja, reiten Sie denn nich Muster nach dem Rhein?
Commis Peschke: Ja, aber wenn ich Muster reite, denn is des der einzige Fall, wo ich Sie nich aufsitzen lassen kann.
Lebrecht Knubberbacke: Na wenn ich mir von Ihnen Verstand verspreche, da könnt’ ich doch wo aufsitzen.
Brauer Pansch: Nu aber mal jleich an’s Werk: wer Allens die Wallfahrt mitmacht, damit ich es meine Frau berichten kann, denn es is ‘ne herzensjute nachsichtje Frau, aber sie hat zuweilen ihre Ansichten, un es is ihr nich Jeder janz einjal.
Commis Peschke: Des soll mir lieb sein, wenn ich ihr nich ejal bin. Also zählen wir! Ich bin Ich, ferner! Herr Frischer Zwee, Sie un Ihre Jattin Drei…
Brauer Pansch: Viere!
Commis Peschke: Ach richtig, bei dieser Jelegenheit zählen Sie ooch mit. Also Viere: Herr Buffey, von seine Zinsen, un sein Sohn Anderthalben, macht Fünf un en halb, un im Fall Herr Lebrecht Knubberbacke mitfährt, sind wir Siebentehalb Personen. Uf Sie, Herr Polizeischreiber Preiße, is woll nich zu rechnen, nich mal mit Kettenrechnung, denn wenn Een Zahn in unsre jroße Staats-Schreibe-Maschine fehlt, det stört unjeheuer.
Polizeischreiber Preiße: Mein Commissarjus verreist in diesen Tagen selber, weshalb ich nich mitkann, selbst wenn mein jejenwärtiger Vermöjenszustand sich über Siebzehn Silberjroschen beliefe, was indessen keineswejes der Fall is. Ich habe schon nach Spanien jeschrieben, ob ich nich Finanzminister da werden könnte. Während Sie nach Trier reisen, seh’ ick mir im Bureau meinen alten Rock an, von den ick Ihnen versichern kann, daß er fabelhaft alt is. An Wolle erinnert er sich kaum mehr, der Sammt uf’n Kragen un uf de Umschläge is nach Manchester jereist un hat da höllisch Haare lassen müssen; die Brust des Rockes hat in dem Maaße abjenommen als de Taschen an Ausdehnung jewonnen haben; aber die Sympathie mit mir und der Welt hat er sich bewahrt, denn abgesehen davon, daß es ihm an Knöppen fehlt: auch er hat vom Schicksal sein Fett weggekriegt, un seine moderne Zerrissenheit kann durch keine alte Lappalien verbessert werden.
Commis Peschke: Des is en unheilijer Rock.
Polizeischreiber Preiße: Möglich, aber hinter diesem Rock steckt wenigstens kein Jesuit.
Brauer Pansch: Davon, von Jesuiten, hört un sieht man jetzt so viel. Was versteht man denn eejentlich unter Jesuiten?
Lebrecht Knubberbacke: Jesuiten is, wenn Eener en niederträchtijer Hallunke is, un en frommes Jesicht dazu schneidet.
Herr Buffey (mit weisem Lächeln): Bitte Herr Knubberbacke, Sie irren sich. Sie sprechen da von was Alljemeines: Jesuiten sind aber blos katholisch.
Lebrecht Knubberbacke: Bitte, Herr Rentier Buffey, Sie irren sich, trotz Ihrer Zinsen. Die katholischen Jesuiten haben des voraus, deß se sich so nennen, wie die Apotheker, wenn se wat jejen Fliejen und Mäuse jeben, en Jiftzeichen druf machen, damit de Menschen nich davon jenießen. Unsre protestantischen Jesuiten  sind aber viel schlimmer, denn die thun so, als ob sie ihren Hunger un Durst un alle ihre Leidenschaften mit Bibelsprüchen stillen, un die dennoch die Welt in die Tinte der Dummheit, der Heuchelei und der Erschlaffung bringen.
Frischer: Das ist nicht wahr! Beide sind nicht werth, den Namen des ewigen Geistes auszusprechen, aber die protestantischen Heuchler erfüllen jede gesunde Natur mit Ekel; die Gesellschaft Jesu aber hat einen geistigen Reiz, der sie verführerisch macht und das Wohl der ganzen Welt gefährdet. Mir ist jede Religion, ja jede Confession recht, keine verachte, keine verhöhne ich und wären ihre Irrthümer so offenbar wie die Selbstsucht des Adels, die Bornirtheit der alten Gelehrten, die rohe Charakterlosigkeit der Masse, der erbärmliche Knechtsinn der Mittelklasse und andere Krankheiten, an denen unser Vaterland leidet; —aber die Ausbrüche der Dunkelsucht, des Aberglaubens, der egoistischen Nichtswürdigkeit müssen mit jeder Waffe und also auch mit der schärfsten, mit dem Hohn der Satyre verfolgt werden. Die kleinen konfessionellen Zerwürfnisse gehen uns Nichts mehr an, darüber sind wir hinaus: um die alten Kirchthürme herum fliegen die schwarzen Krähen und Dohlen krächzend und eifernd durcheinander; aber hoch über diesem Treiben erhaben schwebt der Adler des reinen Gottgedankens.
Brauer Pansch: Aber die Jesuiten scheinen mich jetzt wieder mächtig werden zu wollen, wenigstens meint es meine Frau.
Frischer: Ja, ihre Prophezeihung will sich erfüllen. Sie haben selbst gesagt: wie Lämmer haben wir uns eingeschlichen, wie Wölfe haben wir regiert, wie Hunde wird man uns hinauswerfen, aber wie Adler werden wir uns wieder erheben. Wie Menschen werden und wollen sie also niemals sein. Auch unter dem ‘Adler’ verstehen sie nur die irdische Macht, die Könige und Fürsten unter ihre Gewalt zu kriegen. Kellner eine Flasche vom besten Moselwein, der bei Trier wächst! Wir wollen den Jesuiten ein Pereat bringen!
Herr Buffey (sehr erregt): Na wenn mir Eener vor’s Jesicht kommt, den will ick Bescheid stoßen. Kellner, für mir ooch ‘ne Flasche Mosel: Ich kann des, wenn es wo drauf ankommt, vor’s Wohl der Welt zu enthusiasmussen: ich habe die Mittel dazu! Wir wollen auf unsere Wallfahrt anstoßen!

In Trier, abends auf der Straße

Herr Buffey: Na des ist ‘ne schöne Jeschichte! Die weite Reise mit alle Strabazen jemacht, un nu keen Jasthof zu finden, wo man en Unterkommen findt, um sich als anständiger Mensch auszuschlafen un zu waschen.
Wilhelm. Vater, mir schläfert!
Herr Buffey: Dummer Junge, mir ooch! Wenn Du jlaubst, det Dein Vater jetzt de Polka danzen möchte, denn irrste Dir jewaltig. Aber man muß was verdragen, davor ist es ‘ne Wallfahrt. Sagen Se mal, meine Herrschaften, wat machen wir’n nanu? Sie, Madame Panschen, dhun mir besonders leid, denn so als schönes Jeschlecht in ‘ne wildfremde Stadt rumzujehen un keen Unterkommen finden zu können, des is. . . .
Hyacinthe Pansch: Hier in dieses rohe Jedränge sich so stoßen lassen zu müssen, des is für eine Dame von Stande wie ich nich zum Aushalten. Freilich wenn wir noch in’s Mittelalter wären, da hätte sich ein Ritter vor mir aufgeopfert, aber heutzutage (die Nase rümpfend) die Männer! Selbst schläfert ihnen, wenn se für einer Dame besorgt sein sollten!
Herr Buffey: I hören Se mal, Madam Panschen, ick will Ihnen jar nich abstreiten, deß Sie nich mehr in’s Mittelalter leben, obschon wir villeicht noch mal wieder dahin kommen, aber alleene worum mir als Mensch und preußscher Bürjer nich schläfern soll, des begreif ich nich; darin find’ ick durchaus nischt Unhöfliches. Et is möglich, deß en’ Ritter von’s Mittelalter, der den janzen Dag un de halbe Nacht über soff un raubte, ‘ne bess’re Constitution hatte, wie se allerweile in Deutschland existiren, aber wenn so’n Raubritter wie ick von de Eisenbahn un von Thurn und Taxissen  so zusammenjerumpelt wäre, deß ihm so wäre, als wäre jedes Jlied blos an’s andre mit en bisken Oblate aneinanderjeklcbt un könnte jeden Oogenblick abfallen, denn würde er nich blos seine Minne, sondern ooch seine Hyacinthe un jedes andre Frauenzimmer verjessen. Aber darum, Madame Panschen, können Se sich doch druf verlassen, det ick weeß, wat ick des schöne Jeschlecht schuldig bin, un daß ich meine Oogen nich eher schließen werde, als bis Ihnen, wie soll ick sagen, um es anständig auszudrücken? — als bis Ihnen der Jott der Träme umjaukelt, heeßt des!
Commis Peschke: Ich bin dem andern Jeschlecht weit mehr schuldig als dem schönen, aber ich werde deshalb doch nicht eher ruhen als bis die holde Panschen schläft.
Lebrecht Knubberbacke: Frau Brauerin, zweifeln Sie nie wieder an die Ritterschaft eines ächten Berliners, Fleischfarbige doppelte Hyacinthe, ich jehe, Ihnen ein weiches Lager zu suchen, auf welches Sie Ihre sämmtlichen Jlieder legen können, un von Morpheussens ‘ne Viertelmetze Mohnkörner zu holen, die ich Ihnen in die zarten Behältnisse Ihrer Stirn streuen werde. (Sich verbeugend.) Bis dahin: Aalaf Trier! (im Gehen, zu Frischer). Ne schöne Bolle, diese Hyacinthe!
Herr Buffey (sich ebenfalls verbeugend, ernst): Aalaf Trier! Uf Wiedersehen, Madam Panschen! (Rufend.) Herr Knubberbacke, nehmen Sie mir mit zu Morpheussens, vielleicht is da noch en Bette vor mir un meinen Sohn Willem übrig, oder wenigstens en Sopha mit ‘n Koppkissen! Mein Jeist is müde, un meinen Willem seiner ooch. (Zu Madame Pansch) Aalaf!
Hyacinthe Pansch: Nein, Herr Rentier, Sie bleiben hier bei mich und meinen Mann. Ich muß einen vernünftigen Beschützer haben, und Ihr Sohn könnte Ihnen bei des Gedrängle unter den rohen Haufen abhanden kommen.
Herr Buffey (sich verneigend): Des is was Anders, des jeht mir an de Ehre als Ritter, wenn ein schönes Jeschlecht was von mir fordert. Als Beschützer muß ick mir zusammennehmen, obgleich mir äußerst müde zu Muthe is. Indessen, wie jesagt, Madam Panschen, vor meinen Willem kann ick als Beschützer nich stehen, weil sich derselbe kaum noch uf de Beene halten kann. Das Einzije, was ihn noch aufrecht erhält, deß is des Interesse, was er an den heiljen Rock nimmt, weswejen ich die janze Reise jemacht habe. Denn Sie müssen wissen, Madame Panschen, mein Sohn is, ohne deß ick ihn als Vater schmeicheln will, sehr dämlich, un nu hab’ ich erscht neulich jelesen, daß so ‘ne Weltbejebenheit manchmal den jrößten Einfluß uf en bornirten Kopp hat un ihn plötzlich Licht jibt. Villeicht, deß ooch ihn der heiljeRock selbst inschpieriert, nennt man des! Denn wenn er Wunder thut, woran man doch nich zweifeln kann, wenn des Allens, was hier jeschieht in Trier, im Jahre 1844 jeschieht, so muß mein Sohn klug werden. Nicht wahr, Willem? (Streichelt ihm die Wange) Nich wahr, nach den heiljen Rock sehnst Du Dir sehr? ,
Wilhelm (weinerlich): Ne, Vater, mir schläfert!
Herr Buffey (giebt ihm einen Backenstreich): Schafskopp verdammter! Sehn Se, Madame Panschen, was fängt man nu mit so’nnen dummen Jungen an, der janz incurabel is? (Schlägt die Hände zusammen) Nu hab’ ick ooch die weite Reise hierher nach den heiljen Rock jemacht! Ooch umsonst! Ooch umsonst, wie Allens umsonst, was ick nu schon zum endlichen Klugwerden vor diesen Esel von Sohn unternommen habe. Mehr können die Schriftsteller nich mit’s deutsche Volk zu thun haben, wie ick mit meinen Sohn! Aber wer einmal Schafskopp ist, der bleibt Schafskopp, un wenn man ihn Zwanzig heilje Röcke überzieht!
Brauer Pansch: Bitte, Herr Buffey, es jibt man Achtzehn!
Herr Buffey: Achtzehn Stück? I sehn Se mal! Nu, des is ‘ne janz anständige Jardrobe; da braucht die Heiligkeit nich mehr in Hemdsärmeln zu jehen. Ich habe man zwee Überröcke, eenen Leibrock vor Jesellschaften, einen Palletho, un en Mantel un en Schlafrock. Und ick bin zwar nich jerade heilig, aber ick lebe doch ooch, ohne zu arbeeten.
Hyacinthe Pansch: Pansch, ich verbitte mich des, daß Du so was jejen meine Reeljon sagst. Des hier in Trier is der einzije heilje Rock, der ächte, den unsre Kirche hat.
Herr Buffey (verwundert): Ihre Kirche? Also sind Sie katholsch, Ihr Mann ooch?
Brauer Pansch: Ne, meine Hyacinthe blos; wir sind jemischt.
Herr Buffey: I sehn Se mal, des is des Erste, was ich höre! (Gutmüthig.) Nu des schadt nischt, Madam Panschen, ich bin zwar efanjeelsch, aber des schadt nischt! ich dulde! (Mit ernster Entschiedenheit) Sie sind ein Mensch, Madam Panschen, un ….
Hyacinthe Pansch: Was?
Herr Buffey (fortfahrend): Un es is janz einjal, was ein Mensch vor eine Reljon hat, wenn er man ein juter Mensch is un der Andere ihm duldet! So is es, Madame Panschen (er reicht ihr die Hand). Hier is meine Hand! Wejen de Reljon keine Trennung zwischen uns: ick dulde Ihnen!
Commis Peschke (zurückkehrend): Nanu is Allens abjemacht. Allens da, bis uf Holz un Miethe! sagt der Nagelschmiedjeselle Koofdirwas mit Frau un Sechs Kindern, nachdem von den Verein für die arbeitenden Klassenjährlich en Silbersechser uf seinen Theil jekommen war. Allens da: Abendbroot, sojar Ahendbutter, Nachtherberje, Waschnapp un Morjenkaffe!
Hyacinthe Pansch: Na Jott sei Dank! Is der Jasthof weit?
Commis Peschke: Jasthof? Ne, wejen Jasthof, des stört! Jo nich Jasthof, reizende doppelte Hyacinthe. Bei die Zeiten ooch noch? Spaaß, in Trier, alleweile! Ne, ene Scheune is ooch keen Hund! Wenn Se da drüber nachdenken, woruf Sie schlafen werden, denn können Se Heu rathen.
Hyacinthe Pansch: Was, ich auf Heu! Sie sind wohl nich klug, Herr Peschke?
Commis Peschke: I nu, es jeht! Ich will Ihnen sagen, anjenehme Bier-Hyacinthe, man trägt sich mit der Meinung rum, Alexander von Humboldt wäre en jrößerer Jelehrte als ich, indessen bin ich doch nich so auf den Kopp jefallen, um nich hier, in Trier, einzusehen, deß ich für mein Jahrhundert noch viel zu viel Verstand habe.
Hyacinthe Pansch (zu den Andern): Is des wahr, daß ich in einer Scheune die Nacht zubringen soll und wahrscheinlich unter Krethi und Plethi?
Frischer: Gott ist überall, Frau Pansch, auch in der Scheune verläßt er die seinen nicht. Ist’s Ihnen indessen angenehmer, die Nacht im Himmelbette, unter seiner Sternendecke zuzubringen, so sparen Sie noch sechs Kreutzer Schlafgeld, denn der liebe Gott gibt all sein Gutes umsonst. Er wuchert nicht, wie gewisse Schurken.
Herr Buffey: Nach Kreutzer wird hier jerechnet?
Frischer: Zuweilen. Kreutzer sind frommes Geld, das auch zugleich an die allgemeine Noth erinnert.
Herr Buffey: Na kann man denn da ooch was zu essen kriejen in die Scheune? Un wenn man ooch noch so fromm is um den heiljen Rock, so kann man doch im Jrunde nich aus Frömmigkeit verhungern. Wenn ick so Bratkartoffeln mit Karmenade haben könnte, die würden mir sehr schmeicheln. Nich wahr, Willem?
Wilhelm: Ja, Bratkartoffeln, un denn nachher jleich zu Bette, Vater!
Herr Buffey: Ja hat sich wat zu betten! Zu Scheune, Schafskopp! Du kannst Dir freuen, dat Du mal uf Heu schlafen kannst. Denn des kenn’ ick noch aus meine Jugend her, deß ick am liebsten de Landparthieen darum mitmachte, weil ick da uf’n Heuboden schlafen konnte. Na also, meine Herren, wie is es von wejen Abenbrot?
Leberecht Knubberbacke: Wir nehmen unser Souper in einem Weinhause ein, wo es zwar auch sehr voll is und stark jefastet wird von einer heute anjekommenen Prozeßion, die seit Sechs Dagen unterwejens is, wo man aber doch was kriegt. Nanu aber, bitt’ ich, keinen längern Aufenthalt! Wer noch länger zöjert un sich besinnt, der kann jefälligst Hungerpoten saugen, was jetzt en sehr bekanntes un jangbares Land- un Stadtjericht is, bis mal….
Hyacinthe Pansch (im Gehen): Na, wenn ich Das jewußt hätte, herrjeeses, wie säß’ ich noch janz stille vor meinen Nippdischin Berlin!
Commis Peschke: Ja, un Wir Abends vor unsere Nippdische im Wirthshaus. (Einen Fremden anrufend) He da, Sie da! Des is ja hier woll die Mosel, Tochter des freien deutschen Rheins, wo unsre Reben wachsen? Können Sie mir nich sagen, wo meine stehen?
Der Fremde: Für Sie wachsen nur Reben ohne Blätter und Trauben.
Leberecht Knubberbacke (sieht dem Commis Peschke listig in’s Gesicht): Hören Se mal, Sohn des Merkurs, hier bei Mosels scheinen Se ooch nich uf’n Kopp jefallen zu sind, wie? Diese Antwort war sehr treffend, wenn ooch nich janz so treffend, wie die Ihnen in Aussicht jestellten Früchte. Ne, noch sind se nich uf’n Kopp jefallen, un die Kreuzbraven, Drei Mal ehrlichen Biedermänner, die Pfaffen, werden Ihnen jewiß nischt zum Stolpern in den Weg lejen.
Herr Buffey (ruft): Willem, wirste hier bleiben? Verloof Dir nicht, Esel, daß Dir nachher Dein Vater wie ‘ne Stecknatel an de Mosel suchen kann, wo er nich so Bescheed weeß, wie an de Spree oben bei früher Fleischfreßern in jrüne Aale un Jurkensalat, un unter’n Unterboom hintern Seejerschen Holzplatz bein Halloren Lutzen, wo ick Dir an de Stange zappeln lernen lasse un nach Luft schnappen, denn von Schwimmen wird bei Dir doch nie de Rede sind; denn könnt’ste ja mal wat, un det wäre Dein Ende. Ick bin überzeugt, so wie Du schwimmen kannst, so versaufste aus Consequenz.
Commis Peschke: Da is das Wirthshaus! Herr Buffey. Na, Gott sei Dank! Der Rheinwein is ja woll hier an de Mosel sehr billig, da will ich mir wieder janz neue Lebensjeister ansaufen, denn . ..
Hyacinthe Pansch: Pfui!
Herr Buffey (sich verbessernd): Drinken, drinken, Madame Panschen! Ich dachte nur, weil Sie mir vorher zu Ihren Ritter jewählt haben, deß ich da ooch saufen müßte, denn natürlich: vor’n orndlichen Ritter is Drinken blos die nothwendije Beschaffung, welche zur ersten Stillung des Durschtes erforderlich is, alle anjenehme Zerstreuung über den Durscht natürlicherweise: saufen. Das Wort klingt Ihnen übrijens blos so fürchterlich, Minne, es is. . .
Hyacinthe Pansch: Minne?
Brauer Pansch. Meine Jattin heißt nich Minne, sondern Hyacinthe.
Herr Buffey (mit Sicherheit): Ich sage: Minne, weil ich Ihr Ritter bin, un deß sich des hier so romantisch mit Ihnen zujetroffen hat, des is dieSymparthie mit die Ruinen. Also ich wollte sagen, des Wort Saufen klingt Ihnen blos so fürchterlich, Minne; es is eijentlich viel solider wie Drinken. Denn Sie können doch von keinen Ritter un von keinen anständigen Mann verlangen, deß er jedes Mal seinen Kopp so dämlich wie’ne Henne in de Höhe halten soll, um eenen lumpijen eenzelnen Droppen runterkullern zu lassen, un doch heeßt des uf Hochdeutsch Saufen, während man jetzt oft in de Zeitung liest von: deß uf das Wohl von Den un Den un Des un Des jedrunken is, un ich sage Ihnen, Minne Hyacinthe Pantschen, des Wohldrinken kenn’ ich; des is des größte Wohlsaufen, was Se sich denken können. (Sich zu den Andern wendend) Apropos, ehr wer in de Weinstube jehen, wo is denn unsre Nachtscheune, im Fall der Eene oder der Andere…..
Commis Peschke (während sie in’s Haus treten): Die Scheune ist…
Frischer: Ach, mein Herz lechzt nach einem frischen Trunke dieses goldenen Weines! (Sich umwendend) Dein Volk, Du schöner Rhein, Du greiser König in ewiger Jugendkraft, und das Deiner glücklichen Tochter kann nicht hinabgezerrt werden, denn der Saft Eurer Reben zeugt gesundes, heiteres Blut und wird absondern das Gift des Teufels, in welcher Gestalt es komme! Hier an der Grenze meines deutschen Vaterlandes will ich das deutsche Volk der Zukunft leben lassen, dem alle Tugenden des heutigen geblieben sind, das aber dessen Bedientennatur abgestreift hat, das alle Wunder verachtet und nur die der ewigen Ordnung und des fortschreitenden menschlichen Geistes verehrt!

Im Weinhause

Herr Buffey: Ubrijens, ich habe mir des hier weit frommer jedacht in Trier. Des is ja hier beim Wein eine Lustigkeit un eine Lebendigkeit, als ob …
Frischer: … ein Constitutions-Fest gefeiert würde. Und eine Constitution heilt doch zuweilen die Wunden eines ganzen Volkes, während der heilige Rock nur zuweilen die Wunden Einzelner heilt, die äußerst starken Glaubens sind.
Herr Buffey: Mein Essen vor mir un meinen Willem bleibt sehr lange; hier scheint et Hitze zu kosten, bis Etwas aus den rohen Naturzustand jebracht wird. (Herrn Buffey werden, ohne daß er’s bemerkt, sehr verdrießliche Blicke zugeworfen) Was ich sagen wollte, wat kost’t denn der heilje Rock Entree?
Commis Peschke (leise zu ihm): Sperrsitz 16 Jroschen, Parterre 8, Gallerie 4 Jroschen.
Herr Buffey (laut): Was? Des find’ ich verdammt dheuer; da kann man ja in Berlin de schönste Komödie vor sehen, un nich blos Röcke, sondern wo noch Jehalt drinn is, Jeist nennt man des!
Mehrere Stimmen: Maul halten! Werft ihn hinaus! Hinaus mit dem Spötter!
Herr Buffey (blaß vor Schreck): Wie sagen Sie? Meinen Sie mir? Mir, der ich blos um den heiljen Rock herjereis’t bin, um zu sehen, ob er meinen Sohn von seiner Dummheit kuriren kann?
Mehrere Stimmen. Lästerer! Hinaus mit ihm!
Herr Buffey (wird nach und nach immer hitziger): Wie sagen Sie? Nach die weite Reise, ohne en warmen Bissen im Leibe zu haben, rausschmeißen? Mir, Rentier?! Is des Dankbarkeit? Is des reljöse Duldung} Ick bin Proteschtant, des iswahr, aber des kann ich sind! Wir haben in unsere Kirchen keene Röcke, die Wunder dhun, un wenn Sie welche in Ihre Kirche haben, so freuen Sie sich darüber, un behalten Sie Ihren wunderlichen Jlooben un lassen Sie uns unsern, wo Jott keen Schneider is, sondern Jott! Ick habe als Proteschtant jefragt, wat der heilje Rock Entree kost, un mir über die hohen Preise jewundert, wo man bei uns janz andere Komödien vor sehen kann. Un wundern kann ick mir, davor bin ick preußscher Unterthan, un in janz Preußen kann sich jeder Unterthan wundern, so ville er will!
Mehrere Stimmen: Hinaus mit dem Lästerer. Er wird immer unverschämter! (Man steht auf und rückt mit drohender Miene immer näher gegen Herrn Buffey)
Herr Buffey (im größten Eifer, die Gefahr verachtend): Un wenn Sie vielleicht jlooben, deß ich aus Knickrigkeit nach des Entree jefragt habe, so irren Sie sich, so is des ein zu beklagendes Mißverhältniß, wie die Staatszeitung sagt, heeßt des! Ich lebe von meine Zinsen, ich kann was vor heilje Röcke ausjeben, wenn ich will, un der Beweis is, deß ich deshalb hieher jereist bin, wo man unterwejens von de Eisenbahnen un von Thurn un Taxissen keenen Ducaten vor’s Fahren kriegt! (Er wird angefaßt, wild) Herr, in’s Dreideibelsnamen, lassen Sie mir los, oder ick steche Ihnen uf Ihre Wunderbacke ‘ne janz vernünftje protestantsche Bremse, det Sie janz aus de Jejenwart verschwinden, un mindestens fünf Jahrhunderte zurückfliegen sollen!
Frischer (leise zu ihm): Gehen Sie hinaus, Herr Buffey, folgen Sie mir! Denn wenn wir Ihnen beistehen, so werden Jene nur noch giftiger, und vertheidigen können wir uns doch nicht gegen die empörte Masse. Die Gebildeten nehmen zwar keinen Theil, aber der Rohen sind genug, um keinen Knochen an uns ganz zu lassen.
Herr Buffey (fortfahrend, ohne auf Frischer zu hören): Wenn Sie mir als rohe Masse als Einzelnen anfassen un über mir herfallen, so behandeln Sie mir als Opfer, als Märterer nennt man des! un ich werde vor de Jute Sache rausjeschmissen, vor de Aufklärung! (Man zieht ihn lärmend von seinem Sitze fort) Lassen Sie mir, sag’ ich!
Wilhelm (weinend): Vaater! (Schreiend) Lassen Sie meinen Vaater zufrieden!
Herr Buffey: Stille, Sohn! Ich danke Dir vor Deine Theilnahme, aber misch’ Dir nich in confessionelle Anjelejenheiten, dazu biste zu jung un zu dämlich. (Zu der lärmenden Menge, die ihn immer mit dem Rufe Hinaus! unterbricht) Wenn ick jewußt hätte, deß Sie hier noch so weit zurück sind, deß man sich nich mal mehr wundern kann un nach was erkundjen, denn war’ ich jar nich herjereist! Denn war’ ich zu Hause in meine vier Pfähle jeblieben, wo man mir mit Respekt bejejnet, als Bürjer, als Rentier, als Wirth! Röcke kann ick mir jenug in Berlin ansehn, dazu brauch’ ick nich erscht hierher zu kommen, un wenn Sie jlooben, deß es blos um de Mosel un um den Rhein jeschehen is, so sind Sie schief jewickelt, sag’ ich Ihnen! Denn wir haben bei uns de Spree, un de Spree is eben so naß wie der Rhein un de Mosel, un vielleicht noch nasser!
Mehrere Stimmen: Hinaus mit ihm! (Er wird von verschiedenen Seiten angepackt und fortgezogen)
Herr Buffey (sich mit aller Macht sträubend): Ne ick will noch nich raus! Ick jeh’ nachher janz alleene, ohne Ihr Zudhun. Ick habe noch keenen warmen Bissen im Leibe, un habe nich daran jedacht, über Hundert Meilen zu reisen, um hier zu verhungern. (Als er keine Rettung mehr sieht, in höchster Wuth) Wissen Se, wat Luther von den heiljen Rock sagt? Die janze Jeschichte mit den heiljen Rock is eine Beschei…(er wird hinausgeworfen).
Mehrere Stimmen: Hinaus mit dem Ketzer! Todtgeschlagen hätte er werden müssen!
Herr Buffey (den Kopf durch die Thür steckend, im größten Zorn): Haben Se wenigstens die Jewogenheit, un schmeißen Sie meinen Sohn ooch raus! Des kommt mir wenigstens als Vater zu, deß mir mein Sohn mitjejeben wird, wenn ich rausjeschmißen werde! Willem, bring’ mir meinen Hut un meinen Parrazoll mit, un verjeß’ Deine Mütze nich. Na mir kommt wieder Eener mit ‘ne Wallfahrt!

Auf der Straße

Herr Buffey: Na wat sagste nu Willem? des is ‘ne Verjnüjungs-Reise, die ick eigentlich blos unternommen habe, weil Du so bornirt bist un ick dachte, deß Du vielleicht durch Berührung an den heiljen Rock etwas heiljen Jeist abkriejen könntest. Überjens Wunder scheint er doch zu thun, denn deß mir des als Rentier passirt, deß ich wo rausjeschmissen werde, der ich mir überall als der anständigste und artigste Mensch unter de Sonne benehme, des jeht nich mit rechten Dingen zu. Nanu komm man, Willem, nu wer’ ick sehen, det ick unterwejens en paar Salzkuchen oder jeschmierte Schrippen ufjable, damit wer wenigstens nich verhungern. Des is noch en wahret Jlück, det ick mir vorher habe beschreiben lassen, wo unsre Nachtscheune is. Denn wenn mir ooch scheint, det ick die Scheune nich werde finden können, weil ick hier zum ersten Mal zum Verjnüjen in Trier bin, so war es doch immer vorsichtig von mir, Berücksichtijung der Verhältnisse, wie de Staatszeitung sagt, weil wir sonst de janze Nacht hätten uf de Straße rumloofen können, oder vielmehr liejen, denn uf Loofen werden sich unsere Beene woll nich mehr lange inlassen, (steht stille) Wat meenste, Willem, wie jefällt Dir’s an de Mosel? Des is en sehr schöner Fluß, so viel hab’ ick los, hinreißend schön; er hat eine äußerst schnelle Strömung, aber von’t Bette hab’ick nochnischt jespürt. Des nennen se nu eine Dochter von freien, deutschen Rhein, wo en freier deutscher Preuße jleich rausjeschmissen wird, ehr er noch was in Majen hat! Na mir lad’t wieder Eener zu ‘ne Wallfahrt ein, der kann Jrobheiten besehen. Ick fahre nich mehr Wall, un wenn ‘ne janze Jewerbe-Ausstellung von heilje Röcke zu sehen is.

Vor dem heiligen Rocke

Lebrecht Knubberbacke: Ich habe einen fürchterlichen Katzenjammer, aber ick bejreife nich wovon. Jedrunken hab’ ick sehr wenig; des muß in de Zeit liejen.
Herr Buffey: Willem, seh’ Dir mal Allens an, bis wir rankommen, (zu Hyacinthe Pansch) Ne ick sage Ihnen, Madam Panschen, wie ick mir heute Nacht un heute Morjen als anständijer Mensch un Vater un Erzieher in die Scheune jeschämt habe, davon haben Sie keenen Bejriff! Sie sind ‘ne verheirathe Frau, un ich kann Ihnen Des woll sagen, wie mir Des afficirte, nich wejen mir, sondern wejen meinen Sohn, als Vater, wie da Alles zujing, un wie da die Mannspersonen un die Frauenzimmer durcheinanderlagen, un des Kichern un des Flüstern, un was man da Allens zu…
Hyacinthe Pansch: Herr Buffey, ich verbitte mich Das!
Herr Buffey: Ja, ich kann mir denken, deß sich Ihre Moralität jejen diese Sittenlosigkeit un niederträchtije Jemeinheit sträubt, die man Prozession nennt. Des Haus, die Familie, die Arbeit wird vernachlässigt un dajejen alle Schändlichkeiten jedrieben, un Des nennen se denn frommes Werk un Jottesjlaube. Na ick müßte mal en Wort mit’n Papst sprechen können, den wollt’ ick Bescheid sagen, det ihm Madam Päpsten Thee kochen müßte. Wenn ick nich jloobte, deß vielleicht mein Willem durch den heiljen Rock zu Verstand käme, denn…
Hyacinthe Pansch: Na hören Se mal, Herr Buffey, deß er jrade Verstand verbreitet, das jlaube ich nicht, obgleich ich Katholikin bin.
Herr Buffey: So? Sie jlauben nich? Na, en Versuch kann wenigstens nicht schaden, (sich umwendend) Sagen Se mal, Herr Knubberbacke, wer is’n der Priester da mit de rothe Nase, der eben ufschließt?
Lebrecht Knubberbacke: Der hat de Reliquien unter sich; des is der Reliqueur.
Herr Buffey: So, na ja, so sieht er ooch aus. So, nanu wollen wir näher treten. Willem, halte Dir an meinen Rock feste, denn sonst verlierste Dir hier in de katholische Kirche! Nanu seh ‘mal, da hängt er! Wie alt is der heilje Rock?
Commis Peschke. Über Achtzehnhundert Jahre.
Herr Buffey (die Hände zusammenschlagend): Herrjeeses! Über Achzehnhundert Jahre alt, un noch nich de Motten rinjekommen!
Lebrecht Knubberbacke: Ja, des is natürlich, er wird alle Vierteljahre mit Spieke  einjeschmiert.
Herr Buffey: Un wo bleibt er denn so lange, wenn er nich ausgestellt is?
Lebrecht Knubberbacke: De Röcke werden alle in de Klöster ufjehoben, dazu sind de Klöster da.
Herr Buffey: Et is ‘ne Art Palletho, aber wat et vor Zeug is, des hab’ ick noch nich rauskriejen können.
Commis Peschke: Dummes Zeug!
Herr Buffey: Ob es Buckskin is oder Casemir, darüber bin ich noch in theologischen Zweifel. Wenn ick man erscht janz nah’ ran könnte, denn wollt’ ick mir schon überzeugen, aber daran hindern mir die Priester un des dumme Volk, wat davor steht. Überjens täusch’ ick mir, oder sind ‘ne Masse Federn uf den Rock? Mir kommt et so vor. Er sollte mal bekehrt werden. Et wird doch woll noch ‘ne Bürschte anzuschaffen sind.
Lebrecht Knubberbacke: Auskloppen wär’ noch besser, aber denn müßte ihn Arnoldi anhaben.
Commis Peschke: Fuslig scheint er mir ooch zu sind. Na des hat er wohl noch vom Kloster mitjebracht. Er besitzt übrigens keine Naht, det wissen Sie doch, Herr Ritter Buffey-Rentmanndes von Tabagie auf Zinsenburg?
Herr Buffey: Keene Naht? I Sie sind woll verrückt! Er kann doch nich mit die runterbammelnde Ärmel so jewachsen sind. Mir scheint er drei Mal jenäht zu sein, wenigstens, denn sonst hätte sich der Schneider doch woll en Patent druf jeben lassen.
Commis Peschke: Na, kennen Sie die janze Lejende nich von diesen heiljen Rock?
Herr Buffey: Ne!
Commis Peschke: Die is so: den Rock, wo noch das Blut von de Kreuzijung dran war, jehörte Herodessen, der ihn an einen alten Schacherjuden vor’n Dhaler un sechs Silberjroschen verkoofte, der ihn ihm aber wiederbrachte, weil er ihn nich reene kriejen konnte. Nu wird der Rock in’t Meer jeschmissen, wo ihn sogleich en Wallfisch verschlingt, weil er ihn vor’n jroßen Kulbarsch hielt. Des war wahrscheinlich derselbe Wallfisch, in den Jonas drei Dage Chamberjarnie  wohnte, un der leider alle solche Heiligkeiten wieder ausjespieen hat. Diesen Rock behielt er indessen acht Jahre bei sich, obschon er alle Dage Bittersalz  einnahm, bis der König Önde oder Horrende,  einer der drei Söhne des Königs Eigel der 72ste zu Trier, auf seiner Wasserparthie nach dem heiljen Lande mit Mann und Maus unterjeht, weil die Ritter sehr im Sturm waren. Horrende wird alleene jerettet un tritt bei einen Fischer janz nackend in den Dienst als Fischerknabe. Beide jehen eines Dages angeln, un der Wallfisch beißt an den Zopp an, laßt sich fangen, un wird von den heiljen Rock operirt, den sich nu König Horrende anzieht, damit er zurückkehren kann, wat ohne Rock unanständig jewesen wäre. Der Rock macht ihn mit een Mal unverwundbar, so deß er alle Schlachten jewinnt, un so zieht er jejen de Heiden un jejen die falschen Tempelherren — wozu jetzt der Rock nich mehr benutzt wird — un erobert sich zujleich seine Liebste, die schöne Könijin Bride, un eben als er sich mit ihr vermählen will, kommt mit een Mal en Engel dazwischen und lispelt uf Himmlisch: davon später! Eure Majestät werden vom Höchsten ersucht, Allerhöchst jefälligst neun Jahre zu warten. Nu jiebt et wieder Mord un Dodtschlag jejen die armen Heiden, die damals noch so dumm waren, nich bejreifen zu können, deß des reine, niemals von seinen Priestern entweihte Christenthum janz alleine zur Seligkeit führt. Nu wie die neun Jahre um sind, un Horrende mit seinen Jejenstand’, de Breiden, eben zum dritten Mal ufjeboten is, so kommt wieder der Engel un sagt: contre-ordre! Siederfen sich niemals verehlichen, sondern haben sich, bei Vermeidung höherer Jewalt, in spätestens vierzehn Dagen uf Ihr Ende vorzubereiten, indem Sie jefälligst sterben werden. Uf Wiedersehen!! Ich empfehle mich Ihnen jehorsamst, atje!
Herr Buffey: Des is ‘ne sehr interessante Lende, Lejende wollt’ ich sagen!
Commis Peschke: Seit der Zeit darf Keener, der en heiljen Rock anhat, heirathen.
Herr Buffey: Aber deß sich der janz unnähtije Rock seit de frühste Fabelzeit bis uf de heutje erhalten hat, des bleibt horrende! deß er nich entzwee jejangen is un de Motten nich rinjekommen sind, des versteh’ ich noch immer nich, des faß’ ich nich, weil es jejen meine Erfahrung als Bürjer streit, un jejen meinen jesunden Menschenverstand.
Lebrecht Knubberbacke: I, Herrjees, Herr Buffey: Motten können in den heiljen Rock eijentlich jar nich reinkommen, denn, des wissen Sie ja, die Motten dränglen sich immer blos dahin, wo Licht is. Un wenn nu ooch so’n alter Rock wirklich entweejeht: wat die Mönche Allens zusammenflicken, davon haben Sie jar keenen Begriff! Sehn Se mal, wie er des vorletzte Mal ausjestellt wurde,  da küßten nich blos all die Dausende Priester un Menschen an den Rock, wie in Polen un Rußland die Leibeijenen ihre Besitzer, sondern da verkoofte die Kirche ooch lauter kleene Lappen von den heiljen Rock als Sündenablaß un Talismann jejen Unjlück.
Frischer: Und all’ die alten Lappen sind jetzt zu Papier zerstampft, auf welchem gegen Trug und Lug gekämpft wird.
Herr Buffey: Uf des Futter von den heiljen Rock bin ich doch neujierig, wenn ick erst näher ran kann, (mit wichtiger Miene) denn des Futter scheint mir bei den Rock die Hauptsache, weil — weil doch allens Heilje nich äußerlich is, sondern inwendig stecht. Halt, jetzt wird en bisken Platz! Nanu, Willem, jeh’ mal hin un küsse den Rock! Wollen mal sehen, ob et wat hilft.
Wilhelm: Ne, ick fürchte mir, Vater!
Herr Buffey: Wat? I wo wirste Dir denn vor sonnen dummen Rock fürchten, Schafskopp! Der beißt nich: man janz dreiste anjefaßt, des is de Hauptsache! Na ick sage Dir, wenn De nu nich den Oogenblick hinjehst un küßt den heiljen Rock, denn kriegste en Katzenkopp,  det de nich weest, zu welche Confession Du jehörst, Theekessel!
Wilhelm (folgt dem väterlichen Befehle ängstlich und kehrt mit weinerlicher Miene zurück)
Herr Buffey (sehr gespannt): Na biste nu klug?
Wilhelm (mit heruntergezogener Unterlippe): Det weeß ich nich, Vater.
Herr Buffey (milde): I Du bist nich klug, wat wirste denn nich wissen, ob Du klug bist! Warte mal, ick wer Dir mal wat fragen. (Er sieht sich um). Mir fällt man nich jleich was ein! Hören Se mal, Herr Frischer, fragen Sie ihn mal was, aber recht was Schweres, damit ich jleich daraus ermessen kann, ob er klug is.
Frischer: Na wollen einmal sehen. (Wilhelm in’s Auge fassend). Sage mir, Wilhelm Buffey, wie wird Deutschland seinen Durst nach Freiheit stillen?
Wilhelm (immer noch weinerlich): Mit baiersch Bier.
Herr Buffey (aufschreiend): Ach, Herrjeeses! (weniger laut). Warum nich jar durch Bischof! (Ergreift schnell seinen Sohn bei der Hand und zieht ihn mit sich fort). Nanu komm’ man; nu weeß ick, woran ick bin! Bei Dir hilft jar nischt! Ick gloobe, un wenn Du den heiljen Rock, wie der Wallfisch, im Magen hättest, acht Jahre lang, Du würdest nich klug. Un darum von Berlin nach Trier, darum ‘ne Wallfahrt, nennt man des! Ick bin eejentlich noch dummer wie mein deutscher Sohn, deß ich noch immer jloobe, er könnte zu Verstand kommen.
Frischer: Trösten Sie sich; es haben viel ältere und höherstehende Menschen weitere Reisen und noch weitere Erfahrungen gemacht, und sind doch nicht klug geworden.
Lebrecht Knubberbacke (im Hinausgehen, sich noch ein Mal umschauend): Merkwürdig: in den katholischen Dom brennen ‘ne Menge Lichter, un es is doch nich sehr helle drin.

Auf der Rückkehr

Herr Buffey: Eijentlich weeß ich nu doch nich, ob der Rock ächt is oder nich.
Frischer: Ächt oder nicht ächt! Mir ist, als müsse ein Ehrenmann aus dem katholischen Priesterstande selbst aufstehen und in gemischter Seelen-Ehe katholischen Eifers und lutherischer Entschiedenheit losdonnern gegen solche Reliquien-Verehrung und gegen alle Umtriebe, welche bezwecken, das Volk durch Finsterniß zur Knechtschaft, Gewissensangst und Verderbtheit zurückzuführen. Dann werden aber nicht nur die heuchelnden Diener der römischen Hierarchie die Presse verdammen, daß sie vor den Augen des Volks solche Lästerungen zu lästern wagt, auch den protestantischen Heuchlern wird angst werden und sie werden ausrufen: macht kein böses Blut; laßt die flüchtige Tagespresse sich nicht befassen mit Dingen, welche theologische Forschung und Weisheit erfordern! Aber die ächte Religion bedarf der theologischen Forschung und Weisheit nicht; sie ist eben Gottes Wort und also klar wie Gottes Wort, wie der menschlich-göttliche Spruch: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! Die theologische Forschung und Weisheit haben mehr Unheil über die Welt gebracht, als in Worten auszusprechen ist, weil sie der Widerspruch des Ausrufs Christi waren: Laßt die Kinder (das natürliche Gefühl und den natürlichen Verstand) zu mir kommen, denn solchen ist das Himmelreich! Und wenn jene Römischen schreien werden, daß der duldende Staat die Ausstellung des Trier’schen Rockes mit ernsten und zornigen Worten, mit Witz und Poesie und Hohn verfolgen läßt, so dürfte der duldende Staat antworten: Ihr habt die Preßfreiheit für Euch gewollt, also laßt mindestens die mildere Censur den Andern. Und ferner dürfte er sagen: ich verfolge die Ausgeburten des Protestantismus, den Pietismus, die schnöde Dunkelsucht der Zeloten,  die Muckerei  mit ernsten und zornigen Worten, mit Witz und Poesie und Hohn, ja sogar mit den strafenden Gesetzen, warum nicht Eure Ausgeburten mit denselben Waffen? Weiß ich doch, daß ihr listiger, ränkevoller, consequenter, mächtiger und daher gefährlicher seid als die Irrenden und Heuchelnden der andern Glaubensform, welcher wenigstens die freie Wissenschaft zur Seite geht, während Euch die Stabilität im Nacken sitzt und Intriguen gegen jeden schönen Fortschritt der Menschheit in’s Ohr flüstert? Sollen wir nicht Alles thun, daß die Jesuiten wieder wie Hunde hinausgejagt werden und sollen wir nicht die Ultramontanen  über alle Berge wünschen! Aber, rufe ich, und erstaune, daß die ganze kluge Presse meines Vaterlandes diesen einfachen Gedanken noch nicht ausgesprochen hat: was Wunder über die Ausstellung und Anbetung des heiligen Rockes zu Trier; welch’ komischer Enthusiasmus für die Polemik gegen solchen gefährlichen Unsinn! Welch Aufschreien gegen Das was gang und gäbe ist, welches Entflammen gegen eine Sünde, die Ihr alle Tage begeht! Leben wir denn in einer andern Welt als in der der Rock-Verehrung? Werft Eure Blicke wohin Ihr wollt: seht Ihr nicht überall heilige Röcke des Aberglaubens, des widersinnigsten Vorurtheils, der inhaltlosesten Sitte, der gemeinsten Menschenseelen-Verrenkung, der schuftigsten Kriecherei? Versündigt Ihr Euch nicht alle Tage gegen die Heiligkeit des Gedankens, der Wahrheit und der göttlichen Menschenrechte durch die Verehrung schnöder Röcke? O Ihr Juden, die Ihr den ganzen Körper voll Schmutz habt und Wehe schreit, wenn Einer unkauscheres Fleisch ißt!

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