Johannes Ronge (1813-1887)

Tabellarischer Lebenslauf

  • 1813 Am 16. Oktober in Bischofswalde/Kreis Neiße geboren, aufgewachsen mit 9 Geschwistern in bäuerlicher Familie
  • 1827 Beginn der Gymnasialzeit zu Neiße
  • 1837 Beginn der Studentenzeit an der Universität Breslau, Burschenschaftler
  • 1839 Priesterseminar (Alumnat) in Breslau
  • 1841 Katholische Priesterweihe, Kaplan in Grottkau/Schlesien
  • 1843 Aufgrund der Nichtanerkennung des freisinnigen Bischofs von Breslau durch den Papst kritischer und anonymer Artikel gegen die Amtskirche. Infolge des bloßen Verdachts der Autorenschaft als Kaplan suspendiert, seitdem Privatlehrer für Beamtenkinder im oberschlesischen Industrierevier Laurahütte
  • 1844 Am 1. Oktober Abfassung des Offenen Sendschreibens und Protestbriefs gegen die Ausstellung des Hl. Rocks in Trier, Veröffentlichung in den „Sächsischen Vaterlandsblättern“ am 16.10., zahlreiche Parallel- und Sonderdrucke auch in Frankfurt am Main, Offenbach, Darmstadt u.a. – Exkommunikation Ronges am 4. Dezember
  • 1845 Am 12. Januar Aufruf zur Gründung einer romfreien Kirche, aufsehenerregende Rundreisen, Empfänge, Predigten vor Massenpublikum
  • 1848 Mitglied des Vorparlaments in Frankfurt am Main
  • 1849 Im Juni d.J. Offener Brief gegen den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., Aufruf zum bewaffneten Aufstand gegen den Despoten, daraufhin steckbrieflich gesucht, vor seiner Flucht ins Ausland Aufenthalt in Hamburg
  • 1850 Flucht über Frankreich, Belgien und Holland nach London. Mitverfasser des „Aufrufs an die Deutschen“, politische Arbeit im Exil, Rundreisen in England
  • 1852 Gründung der Humanen Religionsgemeinde in London. Ronge wird Schwager von Carl Schurz, der mit Frau Margarethe geb. Meyer in die USA ausreist.
  • 1855 Handbuch für die Kindergartenerziehung mit Ehefrau Bertha gesch. Traun geb. Meyer (1819-1863), das im Parlament durch englische Schulinspektoren bekannt wird und die Fröbel’sche Pädagogik auch in England popularisiert. Charles Dickens lobt in seinem Journal „Household Words“ den Ronge’schen „Practicle Guide“ als „das beste, was bis jetzt erschienen ist“.
  • 1861 Amnestie in Deutschland für politisch verfolgte „48er“, Rückkehr nach Breslau, Gründung des Religiösen Reformvereins.
  • 1862 Seitdem in Frankfurt am Main, am 6. Juli Beitritt zur dortigen Deutschkatholischen Gemeinde
  • 1863 Tod von Ehefrau Bertha am 18. April in Frankfurt am Main – R. veröffentlicht einen umstrittenen Aufruf zur Gründung einer Deutschen Nationalkirche
  • 1863/66 Reisen durch das Rhein-Main-Gebiet, Mittelrhein-Lahn, Glantal und das Nahetal in den Raum Oberstein-Birkenfeld, Gast bei Peter Drey in Oberstein. Der Verein zählt 1864 insgesamt rund 400 Mitglieder, davon in Oberstein (50), Idar (73), Birkenfeld (65), Ottweiler (23) sowie Kreuznach (40) und Waldlaubersheim (25)
  • 1864/66 „Freie Religiöse Blätter für Deutschland“ (Frankfurt am Main)
  • 1864 Kirchenstreit zwischen Bergen und Berschweiler, Unterstützung Ronges für die freien Protestanten in Berschweiler – Beschluß der freireligiösen Reformvereine in der Region zur Abhaltung des Religionsunterrichts, vierteljährlicher Feierstunden sowie zur Gründung von Jugendwehren, Arbeitervereinen und einer Fortbildungsschule
  • 1867/71 „Freie Nationalkirche“ (Mannheim)
  • 1869 Delegierter auf dem 1. Internationalen Freidenkerkongress in Neapel
  • 1870 2. Ehe mit Erwine Kremer (1841-1921), Gründerin des Naturheilkundevereins Breslau sowie von Fröbel-Kindergärten in Österreich-Ungarn
  • 1871 Vorträge über Erziehungswesen und Frauenemanzipation, Gründung eines Kindergartens in Oberstein, Ausbildung einer weiblichen Lehrkraft aus Oberstein in Frankfurt am Main, weitere Aktivitäten im Raum Saarbrücken, Ottweiler, Meisenheim am Glan. – Kampf gegen das Unfehlbarkeitsdogma des Vatikanischen Konzils von 1870 und den Jesuitenorden, zahlreiche Gefängnisstrafen.
  • 1873 Umzug nach Darmstadt, Geburt des Sohnes Hans (Kurarzt und seit 1930 Leiter der Diätschule in Bad Hersfeld, Nachlaßverwalter, gest. 1953)
  • 1874 Gründung eines Kindergartens in Budapest mit seiner ungarischen Ehefrau Erwine
  • 1876/87 „Freie Religiöse Reform“ (Darmstadt)
  • 1885 Synodaler der Verbandstagung Südwestdeutscher Freireligiöser Gemeinden in Oberstein
  • 1887 Am 25. Oktober im Spital bei Wien auf der Rückreise von Budapest nach Darmstadt gestorben. Auf dem Freireligiösen Friedhof in Breslau durch den Mannheimer Prediger Georg Schneider begraben.

Quellen:

  • Auswahl wichtiger Aktenstücke zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Zusammengestellt von Dr. Oskar Jäger und Prof. Franz Moldenhauer. Berlin: Verlag von Oswald Seehagen 1893, S. 184-186. Profunde Sammlung wichtiger Dokumente der europäischen Geschichte.
  • Graf, Friedrich Wilhelm: Die Politisierung des religiösen Bewußtseins. Die bürgerlichen Religionsparteien im deutschen Vormärz: Das Beispiel des Deutschkatholizismus. Stuttgart-Bad Cannstatt 1978, S. 196-199. Standartwerk mit wichtigen Grundsatztexten auch von Ronge, umfangreiche Bibliografie.
  • Lexikon freireligiöser Personen. Hrsg. Von Eckhart Pilick. Rohrbach/Pfalz o.J., S. 133-135, 131 f. Gemeinschaftswerk freireligiöser Prediger und Pfarrer von 1997
  • Pich, Sabine: Johannes Ronge und sein Nachlaß. In: „Das Paradoxe zog mich an“. Festschrift für Eckhart Pilick. Hrsg. Von der Freireligiösen Landesgemeinde Baden. Mannheim 1997. S. 54-76. Der Bestand des vormaligen Ronge–Archivs der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz in Ludwigshafen ist seit 1996 in das Stadtarchiv Mannheim integriert.
  • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. XV (1999), Sp. 1205-1212 Autor: Friedrich Heyer. Unvollständige Biografie, gutes Literaturverzeichnis (Verlag Traugott Bautz)

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Dipl. - Phil. Heinz Klos März 12, 2012 um 07:33

Der Verein Freidenker Barnim hat gute Beziehungen zur Universitätsbibliothke Wroclaw. Die Bibliothek auf der Sanfinsel beherbergt das DSchlesisch-Lausitzer Literaturkabinett, wo freireligiöse Originalliteratur archiviert ist.

Mit Gruß

Heinz Klos

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